Kuhmilch, Hafermilch, Mandelmilch oder doch lieber HANFmilch?

In den letzten Jahren ist die Nachfrage der Verbraucher nach pflanzlichen Milchalternativen stark angestiegen. Sie werden oft als gesunde Alternative zu Kuhmilch beworben. Wir nehmen die Milchalternativen - von Sojamilch bis hin zur Hanfmilch genauer unter die Lupe. Kleiner Spoiler: Hanfmilch kommt aus ernährungsphysiologischer Sicht gut davon, aber macht euch selbst ein Bild davon.

 

Milchschnute adé

Kannst Du dich noch an Deine Kindheit erinnern? Vielleicht hat auch Dir Deine Mama jeden Tag ein Glas Milch hingestellt, damit Du groß und stark wirst. Oder vielleicht sind Dir noch die beliebten Werbespots im Gedächtnis? Ein großer Schluck aus dem Glas Milch und dann die Milchschnute mit breiter Hand vom Mund gewischt – solche Szenen suggerierten Genuss und strotzende Gesundheit. Lange Zeit galt jeden Tag ein großes Glas Milch als sehr gesund und sogar unerlässlich für die Kinder, die sich im Wachstum befinden – all das wegen ihres hohen Kalziumgehalts. Aber ist Kuhmilch wirklich so gesund wie immer angeprangert wird? Immer mehr Menschen stellen eine Unverträglichkeit fest und Kuhmilch soll unter bestimmten Bedingungen sogar Schaden im Körper anrichten. Aber bei Kuhmilch gilt, ebenso wie bei vielen anderen Lebensmitteln auch: Die einen sagen so, die anderen so. Nicht einmal Studien der Ernährungswissenschaftler bringen definitive Antworten. Aber warum ist das so? Ernährungsstudien sind anfällig für Fehler und liefern meist nur Korrelationen, aber keine ursächlichen Zusammenhänge. Nicht zuletzt werden Untersuchungen oft von den Herstellern der Produkte finanziert. In den letzten Jahren sind aber auch vermehrt ethische Fragen hinsichtlich der Gewinnung von Kuhmilch aufgetreten, was die Nachfrage der Verbraucher nach pflanzlichen Alternativen zu Kuhmilch erheblich hat ansteigen lassen.

 

Milchalternativen im Trend

Pflanzliche Milchalternativen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und werden als gesunde Alternative zu Kuhmilch beworben. Doch ist dies auch gerechtfertigt? Wir nehmen die verschiedensten Milchalternativen für Euch unter die Lupe. Während Dir mit großer Wahrscheinlichkeit bereits Soja-, Mandel-, Reis-, Hafer- und Kokosnussmilch in den Supermarktregalen dieser Welt begegnet sind, sind dir vermutlich bisher andere Quellen zur Herstellung von Pflanzenmilch verborgen geblieben. Weniger verbreitet sind Milchalternativen aus Hanf, Haselnüssen, Macadamianüssen, Flachs und Dinkel. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass die weniger bekannten Milchalternativen aus ernährungsphysiologischer Sicht auch weniger zu bieten haben - im Gegenteil. Nicht-milchhaltige Getränke werden durch das Extrahieren von Pflanzenmaterial, wie Soja, Nüsse, Reis usw. in Wasser hergestellt. Die Pflanzenmaterialien werden homogenisiert und thermisch behandelt, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Sie werden so hergestellt, dass sie optisch Kuhmilch ähneln und enthalten oft das Wort "Milch" im Getränkenamen. Aber bieten diese Milchalternativen tatsächlich einen ernährungsphysiologischen Vorteil gegenüber Kuhmilch?[1]

Milchalternativen vs. Kuhmilch – Nährstoffe unter der Lupe

Mineralstoffe und Spurenelemente liefern uns zwar keine Nahrungsenergie, sind aber lebensnotwendig, da sie für den Aufbau von Körpergewebe, Zellen, Knochen, Zähnen und den ungestörten Ablauf innerhalb des Körperhaushalts verantwortlich sind. Insbesondere Kalzium, das vom menschlichen Körper für die Aufrechterhaltung der Knochengesundheit vor allem in der Kindheit und Jugend benötigt wird, muss über die Nahrung zugeführt werden. Tatsächlich ist nur Kuhmilch von Natur aus Kalziumreich – während den Milchalternativen meist Kalzium zugesetzt wird, um den Gehalt in Kuhmilch zu imitieren. In Kuhmilch sind außerdem wichtige andere Mineralstoffe in beträchtlichen Mengen vorhanden, einschließlich Kalium, Magnesium, Natrium und Phosphor. Die meisten der alternativen Milcharten enthalten vergleichbare Mengen dieser Mineralstoffe, d.h. 50-70% im Vergleich zur Kuhmilch. Essenzielle Spurenelemente haben sowohl bei Kuhmilch als auch bei den Alternativen einen angemessenen Gehalt. Hierbei ergibt sich folgendes Bild: Soja- und Kokosnussmilch sind gute Quellen für Magnesium und Haselnussmilch liefert eine große Menge an Natrium. Soja- und Kokosnussmilch liefern einen guten Beitrag zur täglichen Ernährung in Bezug auf Eisen, Kokosnussmilch für Selen und Kuhmilch für Selen und Zink. Sojamilch ist von den hier aufgeführten Alternativen die beste Wahl, um Kuhmilch in der menschlichen Ernährung zu ersetzen.[2]

 

Und was genau kann jetzt Hanf beitragen?

Hanfsamen sind reich an Vitamin E, Mineralien, Antioxidantien und Ballaststoffen. Zwar unterscheidet sich der Gehalt an B-Vitaminen nicht wesentlich von dem anderer Körner, was Hanfsamen jedoch von anderen unterscheidet, ist die Qualität und der Anteil der Proteine bzw. Fettsäuren. Hanfsamenprotein besteht zu 65% aus hochwertigem Edestinprotein, dem stärksten Protein aller pflanzlichen Quellen, während die restlichen 35% aus Albuminprotein und essenziellen Aminosäuren bestehen. Hanfsamen enthalten alle 9 essenziellen Aminosäuren, mit einer hohen Konzentration an schwefelhaltigen Aminosäuren, die normalerweise in pflanzlichen Proteinen niedrig sind. Hanfsamen sind von der Nährstoffzusammensetzung her mit Sojaprotein vergleichbar. Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren von Hanf ist mit 3:1 nahezu ideal. Gute Voraussetzungen, um daraus eine Milch zu machen, oder nicht?[3]

 

Hanfmilch – der geheime Milchkönig?

Vahanvaty hat verschiedene Milchprodukte miteinander verglichen und Folgendes herausgefunden. Alle Angaben beziehen sich dabei auf 240 Milliliter – also ein großes Glas voll mit Flüssigkeit.

Im direkten Produktvergleich scheint Hanfmilch eine bessere Quelle für Kalzium, Eisen, Vitamin A, Magnesium und Zink zu sein als Sojamilch, Reismilch, Mandelmilch und Kuhmilch. Obwohl nicht grafisch dargestellt, gibt es keinen signifikanten Unterschied im Gehalt an B-Vitaminen zwischen allen Milchsorten.[4]

Was Du noch wissen musst?

Im Vergleich zu Soja- oder Reismilch schmeckt Hanfmilch gar nicht so anders - sie hat einen "nussigeren" Geschmack. Hanfmilch muss bis zum Öffnen nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Hanfmilch ist ein bisschen dicker und cremiger als Sojamilch und nicht so körnig wie diese. Hanfmilch ist milchfrei, sojafrei, baumnussfrei, glutenfrei, cholesterinfrei, vegan, nicht gentechnisch verändert, koscher, natriumarm und hat kein Transfett. Hanfmilch ist vielleicht nicht das Wundernahrungsmittel, aber hat allemal den Titel des olympischen Zehnkämpfers verdient. Wir sind gespannt auf die Erhebung der Hanfmilch. Wir jedenfalls arbeiten bereits hart daran, euch bald in den Genuss des von uns selbsternannten Milchkönigs kommen zu lassen. Macht euch bereit!

 

 

[1] Vahanvaty US. Hemp Seed and Hemp Milk: The New Super Foods? ICAN: Infant, Child, & Adolescent Nutrition. 2009;1(4):232-234.

[2] Vahanvaty US. Hemp Seed and Hemp Milk: The New Super Foods? ICAN: Infant, Child, & Adolescent Nutrition. 2009;1(4):232-234.

[3] Astolfi, Maria Luisa & Marconi, Elisabetta & Protano, Carmela & Canepari, Silvia. (2020). Comparative elemental analysis of dairy milk and plant-based milk alternatives. Food Control. 116. 107327. 10.1016/j.foodcont.2020.107327.

[4] Singhal, Sarita; Baker, Robert D.; Baker, Susan S. A Comparison of the Nutritional Value of Cow's Milk and Nondairy Beverages, Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition: May 2017 - Volume 64 - Issue 5 - p 799-805


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